Hand aufs Herz: Brauchen Sie WordPress überhaupt?
Kritik an WordPress kommt etwa so gut an wie die Behauptung, Raclette sei überschätzt. Ich äussere sie trotzdem, weil zu viele KMU eine Plattform betreiben, die fünf Nummern zu gross für sie ist.
Wenn Ihre Website fünf bis zehn Seiten hat, selten aktualisiert wird und im Kern zeigen soll, was Sie machen, dann geht es hier um Sie.
Wie WordPress zur Standardantwort wurde
«Wir brauchen eine Website. Nimm WordPress, das nimmt man halt.»
Den Satz haben Sie gehört oder selbst gesagt. WordPress läuft auf rund 40 Prozent aller Websites weltweit. Flexibel, riesige Community, tausende Themes, zehntausende Plug-ins. Stimmt alles. Genau daraus entsteht das Problem.
WordPress wurde für Websites gebaut, deren Inhalt sich dauernd ändert. Ein Onlineshop mit zehntausend Artikeln, deren Preise und Lagerbestände sich stündlich ändern. Ein Forum, in dem im Minutentakt ein neuer Beitrag reinkommt. Für solche Fälle ist es ein gutes Werkzeug.
Wenn Sie damit «Über uns», «Leistungen», «Team» und «Kontakt» betreiben, fahren Sie mit einem 40-Tönner zum Bäcker. Geht. Macht aber niemand freiwillig.
Was Sie mit WordPress wirklich kaufen
WordPress ist gratis, heisst es. Ich habe mir angeschaut, was nach drei Monaten so dazukommt:
- Hosting mit Datenbank: 10 bis 30 Franken im Monat
- Premium-Theme, weil das Gratis-Theme nicht ganz passt: einmalig 50 bis 80 Franken.
- Drei bis fünf Plug-ins, davon meist zwei kostenpflichtig: 100 bis 300 Franken im Jahr.
- Backup-Lösung, weil Sie nicht alles verlieren wollen: 50 bis 100 Franken im Jahr.
- Sicherheits-Plugin wie Wordfence: nochmals rund 100 Franken.
- Wartungsvertrag mit einer Agentur, weil Sie das nicht selbst machen wollen: 80 bis 250 Franken im Monat.
Im ersten Jahr sind das schnell 1500 bis 4000 Franken. Für eine Website, die im Kern fünf Seiten zeigt, die sich kaum verändern.
Die zwei echten Probleme: Tempo und Sicherheit
Tempo. Jedes Mal, wenn jemand Ihre Startseite öffnet, passiert im Hintergrund einiges. Der Server rechnet die Seite frisch zusammen, fragt mehrmals die Datenbank ab, lädt das Theme, lädt die Plug-ins. Das kostet Zeit. Bei Inhalten, die sich ohnehin nie ändern, ist das so, als würden Sie jedes Mal eine neue Speisekarte drucken, obwohl seit Wochen dasselbe draufsteht. Ich nenne das serverseitiges Rendering bei jedem Aufruf. Was Sie davon merken: Die Seite lädt langsamer, als sie müsste.
Google merkt es auch. Langsame Seiten ranken schlechter, und ein Teil der Besucher ist wieder weg, bevor die Seite fertig geladen hat.
Sicherheit. Hier wird es ernst. WordPress-Sites sind das häufigste Ziel für automatisierte Angriffe im Web. Nicht weil WordPress schlecht gebaut wäre, sondern weil es so verbreitet ist und weil so viele Installationen mit veralteten Plug-ins laufen. Ein Angreifer schreibt kein Programm für Ihre Seite. Er schreibt eines, das das halbe Internet nach genau einer bekannten Lücke absucht, und Ihre Seite fällt zufällig hinein.
Ein einziges nicht aktualisiertes Plug-in reicht. Schon verschickt Ihre Website Spam, ist Teil eines fremden Netzwerks oder zeigt Werbung für zwielichtige Produkte.
Fragen Sie sich, wer bei Ihnen letzte Woche die Plug-in-Updates gemacht hat. Ich vermute, die Antwort ist niemand.
Die Alternative, über die kaum jemand spricht: statische Websites
Eine statische Website ist genau das, was der Name sagt. Fertige Seiten, die der Server so ausliefert, wie sie sind. Keine Datenbank, kein Nachrechnen bei jedem Aufruf, kein Plug-in-Zirkus. Der Server macht nichts anderes, als eine fertige Datei herauszugeben.
Ich habe genug Apache-Logfiles gelesen, um zu wissen, was das für die Ladezeit bedeutet.
Was Sie sofort davon haben:
- Tempo: lädt in Millisekunden statt in Sekunden.
- Sicherheit: es gibt fast nichts, was man angreifen könnte. Keine Datenbank, keine Lücke.
- Kosten: Hosting für 1 bis 5 Franken im Monat ist realistisch.
- Wartung: praktisch null.
Werkzeuge wie Hugo, Eleventy oder Astro können das. Der Haken: Sie erwarten meistens, dass Sie in einer Kommandozeile arbeiten, Ihre Texte in einem speziellen Format schreiben und die Seite über ein Entwickler-Tool veröffentlichen. Für mich ein Traum. Für eine Inhaberin, die einfach die neuen Öffnungszeiten eintragen will, ein Krampf.
Genau darum bleiben so viele bei WordPress. Lange gab es nichts, was beides konnte, die einfache Bedienung von WordPress und die Vorteile einer statischen Seite.
Kleiner Hinweis am Rand
Wir bei Kuvvu, der Firma hinter Trustlytics, bauen noch ein zweites Produkt namens wraxx. Die Idee: Sie behalten WordPress mit dem vertrauten Backend und pflegen Ihre Inhalte wie gewohnt, aber auf Ihrem Mac oder Windows-PC. Im Hintergrund macht wraxx daraus eine statische Website. Keine Datenbank im Netz, keine offenen Türen, kein Tempoproblem.
Heisst: Sie bekommen die Bedienung, die Sie kennen, und das Tempo und die Sicherheit, die Sie eigentlich wollen. Ohne ein neues System zu lernen.
Falls Sie das interessiert, schauen Sie in den nächsten Monaten auf wraxx.com vorbei. Mehr Werbung mache ich hier nicht, das war nur fair zu erwähnen.
Was Sie mitnehmen sollten
WordPress ist nicht böse. Es ist nur oft die falsche Antwort auf eine einfache Frage. Wenn Ihre Website vor allem dazu da ist, dass Leute Sie finden, anrufen oder Ihre Öffnungszeiten prüfen, dann braucht sie keine Datenbank und keinen monatlichen Update-Marathon.
Fragen Sie sich, wie oft Sie wirklich Inhalte ändern, einmal pro Woche oder einmal pro Quartal. Und fragen Sie sich, wer bei Ihnen heute für Updates und Sicherheit zuständig ist, und ob diese Person das zuverlässig macht.
Wenn Sie ehrlich antworten, wissen Sie selbst, ob WordPress noch passt.
Manchmal ist weniger schlicht mehr. Schneller, sicherer, günstiger.
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